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Debit Mastercard von Viseca – Licht aus?

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«Die Zukunft der neuen Zahlkarten ist da – Unser Ziel ist unseren Kunden stets die innovativsten Produkte anzubieten. Die Debit Mastercard ist eine neue Generation von Zahlkarte, mit welcher weltweit, einfach, sicher und auch online bezahlt werden kann. Das passt hervorragend als ergänzendes Angebot für unsere Kunden.» – Teilauszug Medienmitteilung von Aduno vom 12. Mai 2017, «Kantonalbanken lancieren gemeinsam mit Viseca die neue Generation der Debitkarte».

Die Debit Mastercard von Viseca ist erhältlich ab Herbst 2017 für die Kunden der Kantonalbanken Fribourg und Jura und ab Frühjahr 2018 für die Kunden der Aargauischen Kantonalbank.

So der kommunizierte Rollout gemäss Medienmitteilung. Doch schon Konrad Adenauer meinte, «Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern». Tempi passati.

Debit Mastercard von Viseca – zurück auf Feld 1

Ein neues Zeitalter wurde angekündigt. Es bleibt vorerst bei der Absicht. Denn seit der Pressemitteilung von Aduno/Viseca ist es ruhig geworden um die «intelligente Karte mit Kundenmehrwert».

Ein Blick auf die Websites der Kantonalbanken AKB, BCJ und BCF bestätigt die zurückhaltende Ruhe. Die Debit Mastercard ist nirgends aufgeführt. Auch bei Aduno/Viseca ist keine aktuelle Information einsehbar.

Ein Nachfragen bei Aduno und bei einer teilnehmenden Kantonalbank bestätigt den Eindruck der (Funk-)Stille.

Funktionen, Features und teilnehmende Banken werden noch bestimmt

Eine Mediensprecherin von Aduno teilt mir mit: «Viseca Card Services SA wird die Debit Mastercard als Kartenherausgeberin von verschiedenen Banken voraussichtlich ab Frühjahr 2018 lancieren. Die entsprechenden Funktionen und Features sowie die involvierten Banken werden zeitnah bekannt gegeben».

Von der Aargauischen Kantonalbank erfahre ich sogar: «… für die Debitkarte von MasterCard gilt, dass diese frühstens Ende 2018 oder anfangs 2019 kommen würde».

Zurück auf Feld 1 – die Antwort von Aduno lässt diese Interpretation zweifelslos zu. Über mögliche Gründe kann nur spekuliert werden. Von offizieller Seite gibt es keine Äusserungen.

Unklare Strategien, wegbrechende Erträge

Betrachtet man das Thema über den Tellerrand hinaus und kontaktiert Branchen-Insider, konkretisiert sich ein Gesamtbild – leider zu ungunsten der Bankkunden.

Twint

Aduno/Viseca ist unter anderem einer der Hauptprotagonisten von Twint. Die Debit Mastercard hätte wohl ApplePay unterstützt; dies bedeudet ein Wegfall der Blockade gegenüber ApplePay. Dies lässt auch die Vermutung zu, das Aktionariat der Aduno-Gruppe ist sich bezüglich der Haltung und der Strategie Twint und ApplePay nicht mehr so einig wie es erscheinen lässt. Lancieren Kantonalbanken eine Debit MasterCard ohne Aduno?

Einbahn-Strategien im Mobile-Payment und Sackgasse «Twint» verunmöglichen eine kundenorientierte Produkteinführung.

Wegfall Gebühren Maestro-Karte

Ein Insider schreibt mir: «… die Debit Mastercard steht in direkter Konkurrenz zur bestehenden Bank-Maestrokarte». Verzichten willentlich gewisse Kantonalbanken aus Gebührenüberlegungen auf die Einführung der Debit Mastercard?

Diese Überlegung darf durchaus genauer betrachtet werden, denn:

  • die Debit Mastercard lässt die Maestrokarte überzählig werden.
  • 1/3 aller Maestrokarten von insgesamt 6.3 Mio. Karten stammen von den Kantonalbanken (zurückhaltend geschätzt). Das heisst, 2 Mio. Karten KB-Maestrokarten. Davon sind wohl 50% vollumfänglich zum Hauptpreis von 40 Franken bezahlt. Bedeudet ein Gebührenertrag von jährlich 40 Millionen Franken.
  • Ende 2017/Anfang 2018 werden die Jahresgebühren der Maestrokarten erhoben und den Kunden belastet.
  • Zwei Karten (Kreditkarte, Maestrokarte) wird durch eine Debit Mastercard ersetzt. Somit sind auch die zahlreichen Bankpakete mit den gesicherten Gebührenerträgen überzählig.

Kundenerlebnisse sind zweitrangig

MasterCard hat die Basis für die Debitkreditkarte längst bereit gestellt. In Deutschland lancieren immer mehr Banken die Debit MasterCard – ob Direktbanken oder traditionelle Banken wie die Deutsche Bank mit dem Produkt Deutsche Bank Card Plus.

Die Schweizer Banken bemängeln die stets anwachsenden Regulatorien. Wechselt man die Betrachtungsseite, so schützen die Auflagen die Banken. Oder anders gesagt, Regulatorien sind auch eine Art Protektionismus – der Schweizer Bankkunde hat das Nachsehen. Beispiele gibt es zuhauf:

  • fehlendes echtes Digitalbanking und kein affines Digitalkonto.
  • Trotz Selbstbedienung (E-Banking, Geldbezug am Automat etc.) keine Gebührenersparnis.
  • Zwang Twint, Blockade ApplePay.
  • Verzögerungen Debit MasterCard infolge bankinternen Zwängereien. Den Bankkunden kostet das Verhalten der Banken mehrere Millionen Franken.
  • Laufende Anpassungen (Neuerungen, Erhöhungen etc.) im Gebührenkatalog von Viseca.

Möglichkeiten für einen Wechsel gibt es. Der Bankkunde muss agieren, sonst bleiben Reaktionen der Banken aus.

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