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Bildquelle: «Parlamentsdienste 3003 Bern»

Netzneutralität fällt

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Im politischen Meinungskampf ist das Internet wichtiger denn je. Fake-News und alternative Fakten sind allgegenwärtig – jegliche politische Couleur bedient sich dessen.

Politiker-/innen und (Bezahl-)Medien verlangen Massnahmen zum Schutz des Volks vor politisch-/digitaler Manipulation. Ist dies ehrlich gemeint oder bedienen sie sich selbst aus Eigeninteresse an möglichen Alternativen-Fakten?

Medienkompetenz beginnt mit dem Verstehen von Texten und dem Erkennen der Motive – ausgesprochene Motive wiedergeben längst nicht die inneren (Handlungs-)Werte einer Person, eines Politikers etc.

Sollte es tatsächlich so schlimm sein (Beeinflussung des Volks), wie manche Politiker und Medienhäuser darlegen, so hat meines Erachtens, die Bildungspolitik versagt.

Netzneutralität bedeutet auch, uneingschränkter, selbständiger und unzensurierter Zugang zum Internet. Anhand der Vorlage «Geldspielgesetz» zeige ich auf, wie wichtig die Internet-Neutralität ist.

Neues Geldspielgesetz

An und für sich ist das neue Geldspielgesetz kein reines IT-/Digitalisierungs-Thema. Die Umsetzung, beziehungsweise Sicherstellung jedoch schon: Den ausländischen Anbietern wird mittels Netzsperre der Marktzugang verhindert. Im Klartext: der Aufruf eines ausländischen Online-Casinos wird uns verunmöglicht.

Die Grundidee des neuen Geldspielgesetz ist gut angedacht. Nur die Umsetzung ist nicht akzeptierbar. Fakt ist, erstmal werden Netzsperren gesetzlich verankert. Ein gefährlicher Präzedenzfall. Die Schweiz begibt sich in Sachen Netzsperren in die Nähe von Nordkorea und China.

Gegner und Referendumskomitee

Gegen Internet-Zensur und digitale Abschottung

Befürworter des neuen Geldspielgesetz

Beführworter sind Schweizer Casino-Betreiber, Politiker/innen, die im Bundesparlament der Vorlage zugestimmt haben sowie ausnahmslos alle Kantone. Komitee «Ja zum Geldspielgesetz»

Das Referendum gegen das Bundesgesetz vom 29. September 2017 über Geldspiele (Geldspielgesetz, BGS) ist am 29. Januar 2018 zustande gekommen.

Die Vorlage «Bundesgesetz vom 29. September 2017 über Geldspiele (Geldspielgesetz, BGS) (BBl 2017 6245)» kommt am 10. Juni 2018 zur Abstimmung.

Digitalisierung ermöglicht Transparenz

Digitalisierung und Internet öffnen das politische Geschehen für aktiv Interessierte und engagierte Bürgerinnen und Bürger – Argumente und Aussagen lassen sich gegenprüfen. Manche Politiker, Lobbyisten und Konzerne mögen transparente Einsichtnahme weniger.

Ist die Netzsperre einmal gesetzlich verankert, ist es für die Politik durchaus ein leichtes Spiel, weitere Sperren zu veranlassen. Nämlich nicht nur wie im Beispiel «Geldspielgesetz, auch die Verhinderung von politischer Einsichtnahme mittels Recherchen im Internet.

A) Das Schweizer Parlament – Einsichtnahme in die Geschäfte

Der Schweizer Parlamentsdienst bietet im Internet zu den politischen Geschäften eine Fülle an Informationen

So ist einsehbar, wie deine gewählte Partei bzw. dein politischer Vertreter im Parlament verhalten hat.

Das Geschäft «Geldspielgesetz» mit der Nummer 15.069 ist im Internet abrufbar. FDP wie auch  SVP waren sich uneinig. Argumente und Botschaften im Parlament lassen sich nachlesen und nachschauen (Video).

Das Verhalten der Politiker/innen im politischen Parlamentsbetrieb ist jederzeit einsehbar. Eine gute Sache.

B) Eigenrecherchen im Internet

Medienkompetenz ist unter anderem – Motive und Argumente von Politiker/innen und Parteien kritisch zu hinterfragen und zu validieren. Die Eigenrecherche im Internet macht das möglich: Verhalten des Politikers, Interessenbindungen, Argumente etc.

Zurück zum Beispiel «Geldspielgesetz»
Ein Hauptargument der Befürworter ist, Erträge aus den Geldspielen kommen gemeinnützigen Zwecken zu Gute.

Klingt gut, ist nicht ausschliesslich so. Die bz-Basel titel am 6. April 2018 auf ihrer Website: «Trotz Rüge wegen Vergabepraxis fliesst noch mehr Swisslos-Geld fürs Reitturnier».

Gewinnorientierte Unternehmen wie CSI, Swiss Indoors, Bâloise Session oder das Musical Theater erhalten oder erhielten Gelder von Swisslos.

Teilweise finden sich weitere fragwürdige Engagements. Natürlich profitieren mehrheitlich gemeinnützige Institutionen aus Kultur, Sozialem, Umwelt und Sport. Auf swisslos.ch sind die unterstützten Projekte 2017 aufgelistet.

Die Aussage der Befürworter (…einen unverzichtbaren Beitrag an gemeinnützige Projekte und Institutionen zu leisten…) ist beispielhaft dafür, wie gezieltes Hervorheben von Teilinformationen, respektive der bewusste Verzicht auf vollumfängliche Information, zur Meinungsbildung genutzt wird. Zwar ist die Aussage der Befürworter

  • keine Unrichtigkeit
  • doch das Argument ist unscharf, «wenn etwas nicht passt, dann wird es eben passend geredet».

Dies ein aktuelles Beispiel zum wichtigen Thema der Netzneutralität und ein Aufruf an die Wachsamkeit – Fake-News und alternative Fakten sind allgegenwärtig, jegliche politisch Couleur bedient sich dessen.

Links zum Thema

  • Volksabstimmung: 10. Juni 2018
  • Abstimmung zum Geldspielgesetz – Parolen der Parteien
  • Das Bundesgesetz über Geldspiele (BGS) im Detail
  • Geldspielgesetz, Geschäftsnummer 15.069 – Verlauf der Debatte in National- und Ständerat

Ohne Wandel keine Digitalisierung

«Digialisierung gelingt nur mit echtem Wandel – nämlich eine Veränderung der Denk- und Handlungskultur – Neu denken mit dem Ziel der Einfachheit».

Die Initianten beider Referendum-Komittes zeigen den Wandel eindrücklich – Gutes erhalten, Neues verbinden.


Weiterführende Informationen

  • Digitalisierung – Totengräber des Fachhandels? Artikel auf digitalmedia.ch vom 17. Januar 2018.
  • Ad hoc Informationen auf Twitter von digitalmedia.ch
Kennen Sie den Digitalisierungs-Kompass? Einfache Gestaltung ist intelligente Gestaltung. Gleich hier bestellen (E-Mail).

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– Titelbild (Bundeshaus): Parlamentsdienste 3003 Bern
– Bild im Artikel (Feldstecher): pexels.com (CC0 Lizenz)

Bildquelle: «Parlamentsdienste 3003 Bern»

Digitalisierung im politischen Alltag

Bildquelle: «Parlamentsdienste 3003 Bern»

Auch in der Politik ist die Digitalsierung zunehmend spürbar, beispielsweise in Form von Gesetzgebungen zur Digitalisierung (direkt/indirekt) oder von permanenter Einsicht in Geschehnisse des politischen Alltags.

Die Digitalisierung ermöglicht der Gesellschaft eine gänzlich neue Einflussnahme und Einsichtnahme. Was für das Volk von Vorteil ist, kann zum Nachteil des Politikers sein – je nach Sichtweise.

Der zweiteilige Artikel zeigt auf, wie die Digitalisierung einen Einfluss in den politischen Alltag der Schweiz hat:

  1. Initiativen und Referenden – parteilose Kommitees nutzen digitale Möglichkeiten.
  2. Digitalisierung schafft Transparenz – gefällt nicht immer allen.

Direkte Demokratie

Wir haben das letzte Wort. Ein hohes und schützenswertes Gut.

Mit der direkten Demokratie haben wir die Möglichkeit, uns zu Parlamentsentscheiden zu äussern oder Verfassungsänderungen vorzuschlagen.

Parteilose Kommitees nutzen digitale Möglichkeiten

Die Digitalisierung bietet eine Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten und geht weit über bereits bekannte Anwendungsmöglichkeiten – vorausgesetzt, Einfachheit bleibt im Fokus des neuen Denkens.

Referendum gegen Versicherungsspione

Möglichkeiten der Digitalisierung erkennen. Einzelpersonen engagieren sich politisch und äussern sich zu einem Entscheid des Parlaments. Mit Hilfe der Digitalisierung prüfen und ergreifen die Initianten das Referendum gegen das vom Parlament verabschiedete Versicherungsgesetz.

Überwachung, Versicherungsgesetz und Versicherungsspione – kurz erklärt.

Gesetzliche Grundlage für die Überwachung von Versicherten.

Gesetzliche Grundlage für die Überwachung von Versicherten.

Kommt das Referendum zustande?

Die politischen Parteien geben sich in Sachen Referendum zurückhaltend. Privatpersonen kämpfen für die Privatsphäre und gegen staatlich verordnete Schnüffeleien.

Zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen sind begrenzt. Das Komitte hat bis zum Entscheid für das Referendum keine grosse Unterstüzung von Organisationen und Parteien erhalten. Um so wichtiger im Vorfeld zu erkennen, ob ein mögliches Referendum Erfolgschancen hat oder gänzlich chancenlos ist.

Das erste Twitter-Referendum der Schweiz, schreibt die Tageswoche aus Basel. Soweit geht nun die Digitalisierung auch wieder nicht. Dennoch, mit den sozialen Medien und der Plattform «wecollet.ch» wurde zuvor erhoben, ob ein Zustandekommen des Referendums gute Aussichten hat.

  • Mit Twitter wurden die Follower auf das Vorhaben hingewiesen, und aufgefordert mitzumachen.
  • Wer mitunterstützt, trägt sich ein in der Plattform wecollect.ch – wie viele reale Unterschriften kannst du sammeln, bist du bereit, das Vorhaben finanziell (Spenden) zu unterstützen.

Innert wenigen Tagen wird klar, das Zustandekommen des Referendums hat gute Erfolgsaussichten. Das Referendum wird gestartet.

Unterschriften sammeln – auch digital

Die Initianten nutzen auch den digitalen Kanal für das Sammeln von Unterschriften:

  • Unterschriftenbogen im Internet personalisieren und ausdrucken;
  • Name und Vorname handschriftlich einfügen und unterschreiben;
  • Die Seite falten und ab in den nächsten Briefkasten.

Unterschriften werden auch auf dem persönlichen Weg gesammelt. Es ist ein nationaler Unterschriften-Sammeltag geplant.

Links zum Thema

Digitalisierung schafft Transparenz

Das Referendum «gegen die gesetzliche Grundlage für die Überwachung von Versicherten» zeigt beeindruckend die Möglichkeiten und Wichtigkeit der Digitalisierung im politischen Geschehen – Einflussnahme und Einsichtnahme durch das Volk.

Wandel und Transparenz einerseits, eine sich veränderte Gesellschaft anderseits, schafft eine gänzlich neue politische Beteiligungskultur.

Errungenschaften – des einen Freud, des anderen Leid, sind politischen Kräften ausgesetzt:  Erneuerungen zu verhindern oder gar rückgängig zu machen. Hierzu gibt es ein aktuelles Beispiel – Internetzensur unter dem Deckmantel des Geldspielgesetzes.

Eine Gefahr für den freien Zugang und Umgang mit dem Internet – 2. Teil: Die Netzneutralität fällt.


Weiterführende Informationen

  • Digitalisierung – Totengräber des Fachhandels? Artikel auf digitalmedia.ch vom 17. Januar 2018.
  • Ad hoc Informationen auf Twitter von digitalmedia.ch
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– Titelbild (Bundeshaus): Parlamentsdienste 3003 Bern
– Bild im Artikel (Feldstecher): pexels.com (CC0 Lizenz)

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RevolutZAK – Bank Cler und Revolut

Im Herbst 2017 angekündigt, nun auf dem Markt – die erste Schweizer Smartphone-Bank: «Zak» von der Bank Cler, eine Tochter der Basler Kantonalbank. Bericht vom 17. November 2017 auf digitalmedia.ch – Banking und Banken.

Zeit, das Produkt der Bank Cler etwas näher anzuschauen. Auf einen direkten Vergleich mit dem Mobile-Banking von Revolut verzichte ich. Es gibt zwar Gemeinsamkeiten, dennoch trennen die beiden Welten. Mehr dazu im Abschnitt: Zak, das Schweizer Revolut?

Zak – «das einfachste Banking der Schweiz»

Schreibt die Bank Cler auf ihrer Landingpage. Was Cler damit meint, entzieht sich meiner Kenntnis – Einfachheit liegt im Verständnis des Anwenders.

Ein Punkt vorweg: ich habe die Einladung für die Nutzung für Zak erhalten, jedoch auf einen Gebrauch verzichtet inklusive einer 30 Franken Gutschrift. Das heisst, ich kommentiere das Angebot beziehungsweise Leistungsumfang, nicht jedoch die Umsetzung der App.

Ein detaillierte Umschreibung ist aus dem Produktbeschrieb der Bank Cler zu entnehmen.

Toll gemacht, Zak

Das Engagement der Basler Kantonalbank mit dem Produkt Zak ist löblich und speziell hervorzuheben. Erstmals gibt es von einer Schweizer Retailbank ein kostenloses Angebot eines reinen Digitalbanking. Das ist gut so und gibt Schwung in den (Selbstläufer-)Markt.

Die Topf-Funktion ist eine gelungene Anwendung. Ich nenne es «virtuelles Unterkonto». So ist es möglich, mehrere Konti in einem zu vereinen. Bankpakete bestehend aus Privatkonto und mehreren Sparkonti entfallen. Die Finanzassistenten der Kantonalbanken haben auf den ersten Blick eine Ähnlichkeit. Doch der Unterschied liegt an der Verwendungsfunktion: Zak deckt den Geldtopf ab (eine Art Bilanz), die Kantonalbanken wiedergeben den Geldfluss (eine Art Erfolgsrechnung). Als Privatperson und aus Sicht Geldplanung ist es vorteilhafter zu sehen, wie sich das Guthaben zusammensetzt. Für Zak ein Plus gegenüber den üblichen «Einheits-Finanzassistenten» der Kantonalbanken.

Benutzer beziehungsweise Kunden mit dem Verhalten eines geringen Bargeld-Bedürfnis honoriert die Bank Cler mit dem Preismodell «Cashless» – kostenlose Bargeldbezüge an Bank Cler Geldautomaten sind dennoch möglich.

Grundfunktionen wie Bezahlen mit Maestro, Zahlungsverkehr in CHF inkl. Dauerauftrag sind gegeben.

Mastercard und Maestro Zak. Printscreen cler.ch, Zugriff vom 19.03.2018, Bank Cler

Mastercard und Maestro Zak. Printscreen cler.ch, Zugriff vom 19.03.2018, Bank Cler

Na ja, Zak

Smartphone-Banking mit einer App, dennoch

  • zwei Plastikkarten – Maestro und Mastercard; immerhin mit NFC
  • Mobiles Bezahlen (mpay) nur mit Twint Prepaid – eine weitere Dritt-App.

Zak will mit ihrem Produkt und dem Marketing-Auftritt Einmaligkeit markieren. Doch die Kollektivhaft von Viseca mit Twint macht sich hier bemerkbar und verhindert so eine ehrliche Entfaltung: Wer eine «andere» Kundschaft anspricht sollte Wahlfreiheit offerieren. Bank Cler täte gut daran, eine Kreditkarte anzubieten mit Unterstützung von mobilen Bezahlsystemen wie SamsungPay und ApplePay.

Auslandzahlungsverkehr (Ausgang) wird im Moment nicht unterstützt. Euro-SEPA ist standardisiert und auch deswegen ein Must-have.

Zak – Nähe Bank Cler und BKB unverkennbar

Das Beispiel Viseca und Twint zeigt, die Geschäftspolitik bestimmt den Leistungsumfang von Zak. Kundenzentrierung orientiert sich am Kunden und nicht an Formalien.

Nach gut einem Monat gibt es noch immer eine Warteliste – laut Auskunft dauert es einige Wochen bis zum Versand der Einladung. Sollte die Wartezeit tatsächlich so lange sein – schade für das Produkt Zak. Denn es gilt, wer mit einem neuartigen Produkt eine digitale Kundschaft anspricht, hat ausreichend Kapazitäten bereitzustellen: Das Verhalten der Bank Cler hält mit dem bereitgestellten Produkt und dem Kundenverhalten nicht Schritt.

Die Bank Cler nennt ihr Produkt: «Privatkonto Zak». Das Verhalten verharrt auch im Wording im alten Denkmuster. Die Unterscheidung Privatkonto und Sparkonto ist aus Sicht Bankbilanzierung vonnöten, interessiert ein Bankkunde wohl kaum.

Falls ich als Zak-Interessent individuelle Fragen habe, so verweist die Bank Cler unter anderem auf ein Kontaktformular. Ja, richtig gelesen, Kontaktformular. Der Kreis schliesst sich – Denkmuster.

Zak, das Schweizer Revolut?

Eine bunte App macht noch kein Kundenerlebnis. Und hier liegt der Unterschied zu Revolut: Zak ist aufgebaut auf dem Denkmuster der BKB und Bank Cler. Unternehmensinterne Zwänge bestimmen den Produktumfang – das Image von Viseca ist angekrazt, wird immer mehr zur Hypothek und für Zak ein No-Go.

Das digitale Onboarding von Zak ist solide aufgebaut – digitalmedia.ch hat berichtet: Online Kontoeröffnung, ein Versuch. Bei Revolut ist ein Konto in fünf bis zehn Minuten eröffnet inklusive Nutzungs-Zugang. Bei Zak dauert es drei bis fünf Tage – sofern der Interessen in zwei, drei Wochen eine Einladung für das Onbarding bekommt. Die Vorgaben der Finma schlagen hier durch. Wobei zu erwähnen ist – es gibt auch Vorgaben, die im Ermessen der Bank liegen – hier hat/hätte jede Bank genügend Spielraum zur Einfachheit.

Verhalten und Regularien ist der eine Grund, warum ich einen Vergleich zwischen Revolut und Zak nicht mache. Anderseits ist es so, Schweizer Revolut-Kunden nutzen die App (noch) ausschliesslich für den Geldverkehr im Ausland. Von einem Einsatz im Schweizer Alltag ist Revolut noch entfernt.

Meine Aussage wiederhole ich stets: Digialisierung gelingt nur mit echtem Wandel – nämlich eine Veränderung der Unternehmenskultur. Das fehlt meines Erachtens bei der BKB und Bank Cler.

Zielpublikum

Endlich ein Digital-Konto einer Schweizer Bank. Das ist wirklich hervorzuheben. Die üblichen Alltags-Bedürfnisse werden abgedeckt. Wer auf schick gekleidete Bankberater und Shaggy-Style-Filialen verzichtet und ein eingeschränktes Bargeldbedürfnis hat, bekommt mit Zak ein kostenloses Konto inklusive Debit- und Kreditkarte.

Erfahrungen mit Zak

Wer hat einen Zugang und benutzt Zak im Alltag? Lasst uns an euren Erfahrungen teilhaben und schreibt mir. Die Leser freuen sich auf Feedbacks.

Im App-Store (Andorid und iOS) sind Bewertungen frei zugänglich. Einfach mal nachlesen.


Weiterführende Informationen

Jetzt aktuell: «Hypothekar-Markt 2017» mit Tabellen, Grafiken und Vergleichen. Kostenlos erhältlich im PDF-Format. Gleich hier bestellen (E-Mail).

digitalisierungs-euphorie-kantonalbank

Digitalisierung im Schweizer Retailbanking

Anlässlich mancher Bilanzmedienkonferenzen versprühen die Banken eine fast noch nie dagewesene Euphorie in Sachen Digitalisierung: Kernige Botschaften und ein trendiges Auftreten der Bankvertreter sind sichtbare Zeichen an Aussenstehende – jetzt tut sich was:

  • «Kunden können bereits heute die Digitalisierung erleben»
  • «Mit der Digitalisierung schaffen wir für die Mehrwert für die Kunden»

Schreibt beispielsweise die St.Galler Kantonalbank; stellvertretend als Querschnitt zahlreicher Kantonal- und Regionalbanken.

Wohlgemerkt, wir befinden uns im dritten Jahr der verordneten Digitalisierungsoffensive der Banken. Zeit, etwas näher hinzuschauen.

Neues Jahr, andere Einsicht

Bisher war das Verhalten und die Einstellung in Sachen Digitalisierung zwiespältig – EY Bankenbarometer 2017:

  • Die Retailbanken sehen zwar Handlungsbedarf wie Effizienzsteigerung und Kostensenkung.
  • Doch neue Strategien, Geschäftsmodelle oder Prozesse stehen nicht im Fokus

Deutliche Worte ein Jahr später – EY Bankenbarometer 2018:

  • Digitalisierung wird eine fundamentale Auswirkung haben auf Produkte, Prozesse, Strategien etc.

Die Aussage aus 2017, «Strategien, Geschäftsmodelle oder Prozesse stehen nicht im Fokus» sind im Kundenalltag heute noch Gewohnheit. Auf meinem Blog finden Sie zum «Digitalbanking Schweiz» diverse Artikel.

Kontoprodukte, Funktionen und Sachleistungen, die dem Bedürfnis einer reinen Online-Geschäftsbeziehung entsprechen, sind nicht greifbar; das Produktsortiment entspricht den 80er Jahren.

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Zurück zur Digitalisierungs-Euphorie: Markante Botschaften, abgelegte Krawatten und Chief Digital Officer.

Substantiell ist das noch nicht. Jedoch seit einigen Jahren ein gradliniges Vorgehen im Verhalten: Augenmerk auf «hübsch verpackt».

Von Mehrwert zu sprechen ist eher übermütig und liegt wohl in der Tatsache der Euphorie.

Ohne Krawatte, den obersten Hemdknopf offen

«Wir sind dabei», so die visuelle Botschaft. Betrachtet man die Fotos mit den abgebildeten Bankenvertretern ist unpassendes sichtbar:

  • Der Business-Anzug ohne Krawatte; der Träger wirkt entfremdet statt öffnend

Das Weglassen der Krawatte mit Beibehaltung des Anzugs suggeriert auf mich eher Langweile und etwas tun zu müssen. Echte Authentizität ist Wandel, statt im üblichen Trend lediglich mitlaufen.

Chief Digital Officer, CDO

In den Organigrammen ist nun des Öfteren die Position eines CDO zu sehen. Begrüssenswert, und allemal besser, als die mediale Schlagzeile: «Digitalisiserung ist Chefsache».

CDO, gut gemeint. Doch, das Gegenteil von «gut» ist «gut gemeint». Das ist die Krux an der Sache.

  • Digitalisierung ist nicht eine Aufgabe, auch nicht ein Aufrag
  • Digitalisierung ist keine Funktion, weder Tätigkeit noch Position
  • Digitalisierung ist auch kein Projekt und endet nicht mit zeitlichen Sollvorgaben

Die berufenen CDO-Inhaber sind in der Regel projektorientierte und methodisch veranlagte Mitarbeitende mit einer langjährigen Unternehmensdazugehörigkeit. Wertekonflikte sind möglicherweise gegeben.

Vorwärtskommen sehe ich im echten Wandel. Passend ein Zitat eines Twitter-Users:

«Frischen Wind hineinbringen: Querdenker engagieren, die eine hohe Unabhängigkeit entwickeln.“

denken-kantonalbank

In der Tiefe liegt der Wandel.

Unabhängige Querdenker: Das gilt für Aussenstehende als auch für Mitarbeitende, beide sind im Zitat gleichberechtigt miteinbezogen. Das oberste Credo lautet: unabhängig Querdenken. Eine interne Besetzung ist somit per se nicht falsch. Von externen Beratern ist Abstand zu nehmen: eine Unabhängigkeit ist nicht gegeben; nämlich des Geldes und/oder der Hörigkeit wegen.

Digitalisierungs-Euphorie bankintern

In Gesprächen im privaten Umfeld habe ich einen unbefangenen Einblick erhalten in das Innenleben einer Bank mit digitalen Ansprüchen.

«Unser Team-Vorgesetzter kann die Strategien nicht gut wiedergeben. Ich vermute, auch er versteht nicht, was die Verantwortlichen wollen.» (C.L.)

Spartendenken und -handeln sowie stufengeführte Kommunikation sind gegenwärtig. In den Organigrammen gut sichtbar.

«Die Vorgaben entstehen in Köpfen zwei, drei Personen. Bei uns in der Abteilung war keiner vor Ort und hat sich die Sache selbst angeschaut.» (R.N.)

Eine Aussage wie aus vergangenen Zeiten. Auch heute sprechen Verantwortliche selten direkt mit Mitarbeitenden aus der Basis. Über Jahre hat sich ein Clan gebildet – wir wissen, was für die Bank das Beste ist.

«Vorhaben digital, Vorhaben analog. Was jetzt? Eine Verunsicherung macht sich breit. Und mein Arbeitsplatz?» (M.F.)

Unsicherheit und Ängste. Signale einer Unruhe mit Konfliktpotential. Offensichtlich wird mitgeteilt ohne gegenseitig zu kommunizieren. Auch ich als aussenstehende Person habe Mühe, die Strategien einzuordnen – Beispiel:

  • an der Beratung wird festgehalten, jedoch genau in diesem Geschäftsansatz wird die Digitalisierung stark forciert: Online-Hypotheken, Robo-Advisor.

Die Kunst einer gelungenen Digitalisierung, die begeistert:

  • nicht alles ist planbar und machbar.
  • gegenseitiger Dialog mit Mehrgehalt – wenn auf hohem Niveau etwas Neues entsteht, das weiter führt.
  • Alle sind eingeladen und gleichberechtigt, Verzicht auf Privilegien.

Wiederholende Geschichte

Viele Banken setzen auf Bestandeslösungen von Drittfirmen und hoffen so, auf irgendeine Art und Weise der Digitalisierung zu entsprechend. Es ist trügerisch.

«Leider gibt man leichter viel Geld für Technik aus, als mit den Mitarbeitern den Wandel gemeinsam einzuleiten.»

Verantwortung delegieren ist bequem, lässt sich jeodoch nie an Dritte abgeben. In der Vergangenheit war das schon so, heute umso mehr. Und, die Begeisterung für eine Sache kommt ausschliesslich von innen.

Verlagshäuser in der Moderne

In der Öffentlichkeit werden die Verlagshäuser wie Tamedia oder NZZ nach wie vor als Verlierer der Digitalisierung angesehen. Dies war so. Öffnet man die Augen und lenkt den Fokus weg vom Printbereich, so sieht man den gelungenen Wandel. Die Einsatzeinbussen (Leser, Inserate) konnten längst durch neue Geschäftsmodelle wettgemacht werden.

Was steckt hinter dem Wandel? Veränderungen in Gesellschaft Markt annehmen, statt am Bestehenden festhalten. Und, in den digitalen Geschäftsbereichen sind unabhängige Querdenker mit Null Bezug zu den Printmedien.


Weiterführende Informationen

  • Banking und Banken – Tristesse im Retailbanking? Artikel auf digitalmedia.ch vom 17. November 2017.
  • Stand Digitalbanking 2017 – eine Bestandesaufnahme. Artikel auf digitalmedia.ch vom 5. Juli 2017.
  • Ad hoc Informationen zur Digitalisierung im Retailbanking auf Twitter von digitalmedia.ch
Jetzt aktuell: «Hypothekar-Markt 2017» mit Tabellen, Grafiken und Vergleichen. Kostenlos erhältlich im PDF-Format. Gleich hier bestellen (E-Mail).

 

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Kantonalbanken – operative Kennzahlen

Ausgewählte Kennzahlen aus Bilanz und Erfolgsrechnung, 2013–2017. Mehrjahresvergleich – Entwicklung/Veränderung, indexiert: 2013 = 100

Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB)

Datenquelle: blkb.ch – Geschäftsberichte

kantonalbank-baselland-liestal

© 08.02.18 / patrick.huber@zeitbar.ch | Quelle: blkb.ch – Zugriff: 08.02.2018

Zuger Kantonalbank (ZugerKB)

Datenquelle: zugerkb.ch – Geschäftsberichte

kantonalbank-zug

© 23.01.18 / patrick.huber@zeitbar.ch | Quelle: zugerkb.ch – Zugriff: 23.01.2018

Schwyzer Kantonalbank (SZKB)

Datenquelle: szkb.ch – Geschäftsberichte

kantonalbank-schwyz

© 25.01.18 / patrick.huber@zeitbar.ch | Quelle: szkb.ch – Zugriff: 25.01.2018

Thurgauer Kantonalbank (TKB)

Datenquelle: tkb.ch – Geschäftsberichte

kantonalbank-thurgau-weinfelden

© 20.02.18 / patrick.huber@zeitbar.ch | Quelle: tkb.ch – Zugriff: 20.02.2018

Aargauische Kantonalbank (AKB)

Datenquelle: akb.ch – Geschäftsberichte

akb-kantonalbank-aargau

© 22.02.18 / patrick.huber@zeitbar.ch | Quelle: akb.ch – Zugriff: 20.02.2018


Weiterführende Informationen

Die Erhebung «Hypothekar-Markt 2017» mit zusätzlichen Tabellen und Grafiken ist kostenlos erhältlich im PDF-Format. Gleich hier bestellen (E-Mail).

 

kantonalbank-jahresrechnung-erfolg

Kantonalbank – Jahresabschluss 2017

Rückgang Zinserfolg

Die Kantonalbanken erzielten im Hypothekar-Geschäft 2017 einen Zuwachs von gut 13,6 Milliarden Franken. In den Bilanzen ist unter der Rubrik «Hypothekarforderungen» das Wachstum entsprechend sichtbar.

Informativer aus der Erfolgsrechnung sind die Positionen «Netto-Erfolg Zinsengeschäft» und Brutto-Erfolg Zinsengeschäft». Trotz Volumenerhöhung im Kreditgeschäft ist bei manchen Kantonalbanken das Zinsdifferenzgeschäft im Vergleich zum Vorjahr rückäufig.

Hypothekar-Volumen und Erträge Kantonalbanken

Ausgewählte Kantonalbanken, Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr (2017/2016):

kantonalbank-marktwachstum

© 22.02.18 / patrick.huber@zeitbar.ch

Volumensteigerung hat seinen Preis, das ist die Rückseite der Medaille: Wachstum ist kein Garant für eine positive Entwicklung der Ertragszahlen gegenüber dem Vorjahr.

Die Aargauische Kantonalbank erzielte mit einem Ausleihungswachstum von +6.4 Prozent einen Rückgang im Netto-Erfolg Zinsengeschäft von -5.1 Prozent (13,6 Millionen Franken) Auch die Basellandschaftliche Kantonalbank hat gegenüber 2016 einen Rückgang im Zinserfolg um 10,1 Millionen Franken (4.4%).

Gegenüberstellung Zinsertrag/Zinsaufwand

Der Rückgang im Zinsgeschäft der Aargauischen, Zuger und Basellandschaftlichen ist gut sichtbar bei der Verrechnung «Zinsertrag und Zinsaufwand» im Vergleich  zum Vorjahr. Die drei Kantonalbanken weisen eine negative Entwicklung aus. Das heisst, der Rückgang im Zinsertrag ist höher als die Minderung im Zinsaufwand.

Die Tabelle zeigt die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr in TCHF, ohne «Zins- und Dividendenertrag aus Finanzanlagen»:

Zinsertrag Zinsaufwand Saldo
Basellandschaftliche Kantonalbank -38’009 -27’905 -10’104
Zuger Kantonalbank -16’883 -12’454 -4’429
Berner Kantonalbank -7’281 -7’870 589
Aargauische Kantonalbank -5’717 +488 -6’205
St. Galler Kantonalbank -9’366 -13’010 3’644
Luzerner Kantonalbank -4’816 -25’796 20’980
Thurgauer Kantonalbank 4’633 -5’128 495
Schwyzer Kantonalbank -10’105 -10’011 -94

Auffallend ist hier die Aargauische Kantonalbank: der Zinsaufwand konnte im Vergleich zu den Vorjahren nicht reduziert werden – der Aufwand hat sich erhöht um knapp ein Prozent.

Der Rückgang im Zinsertrag bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank ist auf den ersten Blick ausserordentlich hoch. Im Verhältnis zu anderen vergleichbaren Kantonalbanken ist der Zinsertrag 2017 mit 368 Millionen Franken ein gutes Ergebnis.

Die St. Galler Kantonalbank gewährt mit der Analysten-Präsentation einen vertieften Einblick in das Zinsgeschäft (Ertrag vs. Aufwand).

Wertberechtigungen und Verluste

Für den Netto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft wird nun die Position «Veränderungen aus ausfallrisikobedingten Wertberechtigungen sowie Verluste aus dem Zinsengeschäft» verrechnet.

– Werte im Vergleich zum Vorjahr
– Wertberechtigung/Verluste: Bildung (-); Auflösung (+)
– Forderungen ggü. Kunden: Kommerzielle Unternehmenskredite

Wertberechtigungen und
Verluste
Hypothekar-Forderungen Forderungen ggü. Kunden
Basellandschaftliche Kantonalbank -3,5 Mio./CHF +3.5% -5.3%
Zuger Kantonalbank -110 TCHF +1.4% +1.1%
Berner Kantonalbank +39,7 Mio./CHF +4.9% +8.0%
Aargauische Kantonalbank +13,4 Mio./CHF +6.4% +20.7%
St. Galler Kantonalbank +451 TCHF +2.5% +0.8%
Luzerner Kantonalbank -11,3 Mio./CHF +5.4% +1.8%
Thurgauer Kantonalbank +3,6 Mio./CHF +3.8% -9.4%
Schwyzer Kantonalbank +6,2 Mio./CHF +5.7% -1.3%

Auch hier gibt es ein differeziertes Bild. Hohe Auflösung von Kreditrückstellungen trotz hohem Wachstum in den Kreditausleihungen, so beispielsweise bei der Aargauischen- und Berner Kantonalbank.

Selbstverständlich habe ich in das Kreditportfolio der Banken keinen Einblick. Auffallend ist jedoch, dass insbesondere im Marktgebiet der AKB (Aarau, Brugg, Olten) und BEKB (Solothurn, Oberaargau) ein überdurchschnittlich hoher Wohnungsleerstand besteht – UBS Real Estate Focus, Ausgabe 2018 (Download, PDF, 3 MB).

Operative Ergebnisse der Kantonalbanken

Die Vergabe von Krediten ist trotz Rückgang im Zinsgeschäft die Hautpertragsquelle der Kantonalbanken.

Die Erträge im indifferenten Bankgeschäft haben markant zugenommen und somit massgeblich zum guten Jahresergebnis beigetragen.

Eine Auswahl an Kantonalbanken im Mehrjahresvergleich zeigen die operative Entwicklung:

  • stagnierendes Zinsgeschäft
  • starkes Wachstum im indifferenten Bankgeschäft

Weiterführende Informationen

Die Erhebung «Hypothekar-Markt 2017» mit zusätzlichen Tabellen und Grafiken ist kostenlos erhältlich im PDF-Format. Gleich hier bestellen (E-Mail).

 

immobilien-schweiz-wachstum

Hypothekarmarkt Schweiz 2017

Hohe Bautätigkeit und Zunahme Wohnungsleerbestand im Wohnungsbau sowie ein Rückgang in der Zuwanderung (Wanderungssaldo) prägten den Schweizer Immobilienmarkt im 2017. Wie in den Vorjahren konnte das jährlich Marktwachstum der inländischen Hypotheken gehalten werden.

1. Teil: Hypothekar-Markt Schweiz – Marktvolumen und Wachstum
2. Teil: Kantonalbanken – Jahresabschluss 2017

Hypotheken Schweiz 2017 – auf einen Blick

Die Schweizer Banken halten rund 95 Prozent des Hypothekarvolumens. Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den inländischen Hypothekarmarkt der Schweizer Banken.

  • Gesamtvolumen per 31.12.2017 bei 973,9 Milliarden Franken. Mit Versicherungen und Pensionskassen: 1’023 Mrd. CHF (geschätzt).
  • Zunahme um 25,9 Mrd. Franken, +2.7% gegenüber 2016
  • Die Kantonalbanken haben vom Marktwachstum gut 52 Prozent abgeschöpft.
  • Gegenüber dem Vorjahr generierte die Raiffeisengruppe mit 4.3% den höchsten Zuwachs aller Bankengruppen.
  • Die Kantonalbanken halten einen Marktanteil von 36.7%, +0.4 (%P)

Marktwachstum Hypotheken

Bank-Hypotheken Inland, Benützung. Ohne Kreditvergabe von Nicht-Banken. Werte teilweise gerundet. Werte per Jahresende (31. Dezember). Quelle: data.snb.ch

CHF/Mrd. in % Anteil
Martwachstum 2017 25,9 +2.7%
– Kantonalbanken 13,6 +4.0% 52.4%
– Raiffeisenbanken 7,2 +4.3% 27.7%
– Grossbanken -0,3 -0.1% -1.3%
– Regionalbanken 2,3 +2.5% 8.8%
– Übrige Banken 3,2 +3.7% 12.4%

Mehrjahresvergleich Markt

– Marktvolumen in Mrd./CHF (blau) und Zuwachs in % (rot, rechts)

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© 22.02.18 / patrick.huber@zeitbar.ch

– Detailzahlen

Wachstum Mrd./CHF Wachstum in % ∆ ggü Vj/CHF
2017 25,9 +2.7% +780 Mio.
2016 25,1 +2.7% -1’057 Mio.
2015 26,2 +2.9% -5’160 Mio.
2014 31,3 +3.6% -4’258 Mio.
2013 35,6 +4.3% -9’712 Mio.
2012 45,3 +5.8%

Entwicklung Marktzuwachs nach Bankengruppe

Angaben in Mrd./CHF.

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Die Grossbanken konnten nach 2016 auch im 2017 den Rückgang zum zweiten Mal in Folge etwas kompensieren. Dennoch bleibt ein negativer Marktzuwachs von -324 Mio. Franken.

Detailanalyse private-/nicht private Kreditnehmer

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Die Tendenz der Zunahme der Kreditvergabe (Hypotheken) an Unternehmen hat sich im 2017 fortgesetzt. Den stärksten Zuwachs verzeichnet die Raiffeisengruppe mit knapp +4 %P. Die Kantonalbanken generieren mit Finanzierungen von Renditeobjekten einen Anteil von 41 Prozent von ihrem Wachstum.

Kantonalbanken – Jahresabschlus 2017

Die Kantonalbanken erzielten im Hypothekar-Geschäft 2017 einen Zuwachs von gut 13,6 Milliarden Franken. Sind im aktuellen Zinsumfeld die Hypothekar-Steigerungen unter anderem auch rentabel? Die Kennzahl «Brutto-Erfolg Zinsengeschäft» aus der Erfolgsrechnung gibt Auskunft über den operativen Erfolg im Zinsengeschäft: Geschäftszahlen 2017 ausgewählter Kantonalbanken.


Weiterführende Informationen

  • Kauf Eigentumswohnung – mögliche Überlegungen. Artikel auf digitalmedia.ch vom 19. März 2017.
  • Ad hoc Informationen auf Twitter von digitalmedia.ch
Die Erhebung «Hypothekar-Markt 2017» mit zusätzlichen Tabellen und Grafiken ist kostenlos erhältlich im PDF-Format. Gleich hier bestellen (E-Mail).

 

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Online Kontoeröffnung – ein Versuch

«Unklare Worte sind wie ein blinder Spiegel.»

Ein Zitat aus China. Online-Kontoeröffnung ist eine klare Ansage. Doch längst ist nicht drin, was drauf steht. Wird das Kleingedruckte nicht gelesen, braucht es Papier und Geduld bis zur Nutzung des online eröffneten Kontos.

Inhalt und Aufbau «Online Kontoeröffnung»

Basiswissen – Ein wenig Theorie
Praxis – Online Onboarding bei der Bank Cler
Anbieter – Online Onboarding bei Schweizer Banken, eine Übersicht

Kontoeröffnung für Bestandeskunden

Der guten Ordnung halber: bewerben Banken ihre Online-Kontoeröffnung, bezwecken sie die Aufnahme einer Geschäftsbeziehung mit Neukunden (Online-Onboarding). Bestandeskunden eröffnen weitere Bankkonten und -produkte in der Regel im geschützten E-Banking – noch heute wird oft ein manueller Prozess angestossen.

Finma – Voraussetzungen

Die Finma ermöglicht seit März 2016 die Aufnahme von Geschäftsbeziehungen über elektronische Kanäle. Videoidentifizierung und die Erklärung über die wirtschaftliche Berechtigung (elektronische Signatur Online-Formular) sind unter anderem die Merkmale einer Online-Kontoeröffnung. Wobei die Banken nicht zur Online-Maximalvariante (Indentifizierung und elektronische Signatur) verpflichtet sind.

Online-Onboarding – Umsetzung der Banken

Einige Banken haben die Online-Kontoeröffnung im Angebot. Längst jedoch ist der Eröfnungsprozess nicht 100% online durchgängig. Ein paar Banken beschränken den Online-Prozess auf die Identifizierung – das Formular der wirtschaftlichen Berechtigung ist folglich händisch zu unterzeichnen und einzureichen. Zumindest der Gang zur Post oder Bank zwecks Indentifizierung entfällt.

Und es gibt Banken, die mittels «Online-Formular» eine Konto-Eröffnung anbieten. Dieser Vorgang ist jedoch wie bisher und hat nicht den mindestens Ansatz einer Online-Kontoeröffnung: Druck von Formularen und persönliche Vorsprache zur Identifikation.

Technisch – App und/oder Desktop

Unterscheiden tun sich die Banken auch hier – Abwicklung der Online-Kontoeröffnung mittels einer zu installlierenden App (iOS, Android) und/oder auf dem Desktop-PC. Vorausgesetzt ist natürlich stets eine Kamera, Mikrofon und Internet-Verbindung.

Steigerung für eine reine Online-Kontobeziehung

Ist Online-Identifizierung und digitale Signatur erfüllt, verdient es die Bank die Bezeichnung «Online-Kontoeröffnung» auch zu nennen. Alles andere ist Augenwischerei.

Zustellung Bankunterlagen

Nach der Pflicht, kommt die Kür. Nämlich die Art der Zustellung der Bankunterlagen und somit einer sofortigen Nutzung. Hier unterscheiden sich die Banken erneut:

  • Zustellung Papierunterlagen per Post
  • Elektronische Zustellung der Papierunterlagen

Ein Verzicht auf den Postversand ist ja gänzlich nicht möglich – Zustellung Bankarte bleibt. Ausser der Kunde wünscht ausdrücklich keine Karte.

Online-Kontoeröffnung ist nicht Online-Konto

Auf meinem Blog finden Sie zum Digitalbanking Schweiz diverse Artikel. Online-Kontoeröffnung ist eine Voraussetzung hierfür; Fortschritte sind zu erkennen.

«Banking und Banken», publiziert am 17. November 2017
«Digitalbanking 2017 – eine Übersicht», publiziert am 5. Juli 2017
«Digitalbanking – mehr analog als digital», publiziert am 7. Juni 2016

Gänzlich fehlen Kontoprodukte, die dem Bedürfnis einer reinen Online-Geschäftsbeziehung entsprechen. Zu oft meinen Banken, mit Technik wie bunten Apps und Umstellung auf PDF-Versand sei es getan. Digitalbanking ist Erlebnis und Einfachheit – Technik, Prozesse und Preise.

Online-Kontoeröffnung, Praxis Bank Cler

Zeit, den Versuch einer Online-Kontoeröffnung zu wagen. Ich gehe nicht detailliert auf die einzelnen (technischen) Schritte ein. Vielmehr möchte ich das Vorgehen insgesamt würdigen. Wer mehr erfahren möchte, schaut sich das Beispielvideo der Hypothekarbank Lenzburg an.

Im Vorfeld habe ich mich kundig gemacht und weiss, Identifikation und Signatur wird durch die Bank Cler abgedeckt. Voraussetzungen also für ein 100 Prozent Online-Onboarding.

Videoidentifikation

Der gesamte Ablauf dauerte ungfähr gut 12 Minuten. Etwas länger als gedacht. Der Grund war, da ich während der geführten Identifikation dem Bank Cler Mitarbeiter Fragen gestellt habe, musste dieser Abschnitt nochmals von neuem gestartet werden; Die Identifikation wird aufgezeichnet, abweichende Kommunikation ist nicht zulässig.

Die Bank Cler führt die Identifikation selbst durch. Also keine Drittfirma.

Elektronische Signatur

Im Anschluss an die Identifikation geht der Eröffnungsprozess weiter. Fragen zur Steuerpflicht und der wirtschaftliche Berechtigung werden online ausgefüllt und mittels Empfang SMS-Code elektronisch bestätigt.

Die Abwicklung der elektronischen Signatur wird an eine Drittfirma abgegeben. Bei der Bank Cler handelt es ich sich um die Firma QuoVadis. Ein Dienstleistungs-Unternehmen von WISeKey.

Abschluss

Sachlich gelange ich im Eröffnungsprozess zur Abschluss-Seite. Kurzbestätigung der Eröffnung (das Produkte wird genannt) und Mitteilung der IBAN-Nummer. Fertig.

Am Freitagmittag habe ich das Konto online eröffnet. Die Zustellung der Unterlagen (E-Banking-Zugang) habe ich am Mittwoch mit A-Post erhalten.

Persönliche Würdigung

Positiv ist mir aufgefallen:

  • Gute Nachvollziehbarkeit: sachlich basierter Ablauf. Einwandfreie und zügige Durchführung.
  • Online-Identifikation und digitale Signatur.
  • Mitteilung der (neuen) IBAN-Nummer.
  • Inhouse Video-Identifikation.

Meinerseits wünschenswert, Verbesserungsmöglichkeiten

  • Video-Identifikation nur von Montag bis Freitag. Service-Angebot auch am Samstag anbieten – veränderte Lebensmodelle der Menschen.
  • Elektronische Zustellung «E-Banking-Benutzerdaten» in den geschützten Bereich «My Cler» ablegen.
  • Für Fragen einen persönlichen Kontakt mit dem Bank Cler Mitarbeitenden zulassen.
  • Ablauf und technische Voraussetzung: Hinweis und Dokumentation im Internet bereitlegen (fehlt zurzeit noch).

Online-Onboarding Retailbanking Schweiz

Mit wenigen Klicks als Neukunde ein Konto eröffnen. Wer bietet diese Möglichkeiten an und mit welchen Merkmalen?

Auf einer separaten Seite sind die Banken (Regional- und Kantonalbanken) aufgelistet. Die Seite wird laufend aktualisiert.

Online-Onboarding – die Übersicht

Gibt es Ergänzungen, persönliche Erfahrungen? Schreibt mir und lasst die Lesergemeinschaft an den Erfahrungen teilhaben.

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Digitalisierung – Totengräber des Fachhandel

«Droht durch die rasante Ausbreitung des Online-Handels eine weitere Verarmung der Städte?», fragt beispielsweise die NZZ in ihrem Artikel vom 30. Mai 2017.

Die Grossverteiler wiederum machen Einkaufstourismus und den Markteintritt von Aldi und Lidl für das «Lädelisterben» und somit für den Wegfall der Vielfalt an Fachgeschäften in Städten und Dörfern verantwortlich.

Ist der Onlinehandel, der Einkaufstourismus und das Verhalten von Aldi und Lidl für die (Konsumenten-)Entvölkerung in den Städten und Dörfern verantwortlich?

Je nach Eigeninteressen oder einem nicht vorhanden Fehlereingeständnis sind die Gründe für den Niedergang schnell gefunden und werden medial zweckbestimmend weiterverbreitet. Im Besonderen die Grossverteiler nutzen ihre Marktdominanz und tragen dank enormen Werbebudgets ihre (Eigen-)Interessen über die Medien in die Wohnzimmer von Schweizer Konsumenten.

Digitalisierung – Totengräber des Fachhandels? Ein Dreiteiler – meine persönlichen Beobachtungen und Eindrücke zum Detailhandel Schweiz:

  • 1. Teil: Dörfer und Städte sind entleert – die Rolle von Migros und Coop
  • 2. Teil: Globalisierung verändert Lebensgewohnheiten, Gewerbeverbände schauen in erster Linie zu sich selbst
  • 3. Teil: Gesellschaftlich pulsierende Dörfer und Städte Ideen zur Nachhaltigkeit statt nur mögliche Szenarien

Der Onlinehandel bestätigt, was längst Gegenwart ist

Der Niedergang der Vielfalt an (Fach-)Detailisten hat in den 80-er Jahren eingesetzt und sich kontinuierlich über viele Jahre fortgesetzt. «Lädelisterben», die Folge einer Marktdominanz von Migros und Coop.

Begonnen hat das «Lädelisterben» mit Geschäftsaufgaben von kleinen und mittleren Lebensmittelläden, dann Übernahmen und zugleich Wegfall von Warenhäusern wie EPA und ABM (besonders in mittelgrossen Städten) und seit Beginn der Nullerjahre betrifft es nun auch Fachgeschäfte.

Marktdominanz, Globalisierung, Fehleinschätzungen der Gewerbeverbände und veränderte Lebensgewohnheiten sind wesentliche Gründe, in der Vergangenheit und Gegenwart.

Der Onlinehandel hat den bereits vorhandenen Wandel bestätigt. Veränderungen ermöglichen auch Chancen, Innenbereiche von Gemeinden und Städten neu zu gestalten.

I. Marktdominanz Migros und Coop

Masken sind Gesichter, die nicht lügen, so ein Zitat von Manfred Hinrich (1926 – 2015).  Die Grossverteiler Migros und Coop beherrschen perfekt das Wechselspiel; je nach Interessensziel, online wie stationär.

Migros und Coop – «Lädelisterben»

Der Strukturwandel wurde in den 80er Jahren eingeleitet. Im Geschehen mittendrin – Migros und Coop.

Horizontale Marktkonzentration

Migros und Coop Filialen in Städten und Dörfern. Ausbau des Filialangebots ohne Ende. Für zahlreiche Dorfmetzger, Dorfbäckereien, Gemüseläden etc. war die Marktpräsenz einschneidend mit Konsequenz von Geschäftsaufgaben. Übrig blieben nur wenige.

Fachmärkte von Migros und Coop setzten dem lokalen Gewerbe weiter zu: Sport, Elektronik, Blumen-/Garten, Baumarkt, Möbel, Benzin-/Heizöl und Gastronomie.

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Coop im Überblick. © coop.ch – Zugriff: 08.01.2018

Mit Frischmärkten wie Fleisch, Käse, Milchprodukte, Obst und Gemüse hat die horizontale Marktkonzentration weiter seine Fortsetzung gefunden.

Mit der Ausweitung des Bio-Sortiments stehen nun weitere Fachdetailisten vor dem Aus.

Ganz neu setzt beispielsweise Migros auf Velofachgeschäfte mit integrierter Werkstatt. Besonders im Zürcher Oberland sind unabhängige Velofachgeschäfte stark präsent. Von der Migros nun stark bedrängt.

Vertikale Marktkonzentration

Migros und Coop begüngen sich längst nicht nur mit der horizontalen Marktkonzentration: Lokale und regionale KMU wurden nun auch durch die vertikale Marktkonzentration bedrängt. Das heisst, die Herstellung von Produkten werden gleich selbst gemacht: Broterzeugnisse, Fleischverarbeitung, Getränkeherstellung, Milcherzeugnisse etc. seinen als Beispiele erwähnt.

«Coop eröffnet gewaltige Grossbäckerei in Schafisheim», so die Handelszeitung vom 23. Juni 2016. Wer nun meint, das betrifft Einschränkungen und Schliessungen ausschliesslich für das Aargauer Gewerbe, der täuscht sich. In der Grossbäckerei werden Erzeugnisse hergestellt für die Gesamtschweiz. Also auch eine Bäckerei in der Bündner Surselva könnte das durchaus Auswirkungen haben.

Migros und Coop – Onlinehandel

Für Coop und Migros ist der Onlinehandel kein Verursacher des strukturellen Wandels, so wie die Medien doch stets immer wieder schreiben. Was an und für sich auch meine Einschätzung ist. Doch, Migros und Coop sind aus einem anderen Grund zu diesem Thema zurückhaltend: Die beiden Grossverteiler verdienen kräftig mit dem Online-Handel.

Einerseits werden Abwanderungen aus dem stationären Handel durch die eigenen Onlinekanäle kompensiert. Anderseits wird mit geballter Finanzkraft mit Zukäufen kräftig investiert in den zuvor lange verschlafenen Online-Handel.

Nicht nur Marktdominanz von Migros und Coop im stationären Handel, nun auch im Online-Handel. Kleine und mittlere Retailer haben kaum bis keine (Online-)Chancen.

Würden Migros und Coop zum Verlierer im Online-Handel gehören, wäre wohl E-Commerce das Übel aller Dinge.

Migros und Coop – Einkaufstourismus, Aldi & Lidl

Geht es selbst um Umsatzeinbussen ohne Einflussmöglichkeiten zu haben, so rollt die mediale Pressearbeit an. Ebenso wird die Lobby-Arbeit intensiviert.

Aldi und Lidl, ein Ärgernis

So der ehemalige Migros-Chef Herbert Bolliger zum «Lädeli-Sterben» – Interview Schweiz am Wochenende vom 9./10. Dezember 2017:

«Vor zehn Jahren habe ich Gemeinden erlebt, die Blechhallen mit Parkplätzen vor dem Dorf bewilligten, und sich jetzt darüber wundern, dass sich das Dorf entleert und plötzlich der Metzger und der Bäcker dichtmachen. Die Gemeindepolitiker müssen sich schon selber an der Nase nehmen».

Wie widersprüchlich die Argumentation der Migros ist, zeigt

  • das stark ausgebaute Filialnetz an Tankestellen-Shops – Retail-Verkaufsstellen auf grünen Wiesen und an Randlagen hochgezogen.
  • Ebenso die Monopolstellung von Coop und Migros mit ihren Angeboten an Shops in/bei Schweizer Bahnhöfen.
  • Neu- und Umbauten von Supermärkten in Gemeinden. Beispielsweise Umbau Migros Gossau/ZH: «Dabei verdoppelte sich die Verkaufsfläche auf 1’500 Quadratmeter», zu lesen auf migros.ch

Einkaufstourismus

Möchte Herr und Frau Schweizer von den attraktiven Preisen und dem günstigen Wechselkurs EUR/CHF profitieren, so ist dies Migros und Coop ein Dorn im Auge.

«Steuerfreie Einkaufstouren nach Deutschland sollen in Zukunft nicht mehr möglich sein. Migros, Coop und Manor setzen sich für «Fairness bei der Mehrwertsteuer» ein».

Selbst jedoch, «Wasser predigen, Wein trinken»: Die Geschichte um die Migros mit den Druckerzeugnissen mit Auftragsvergabe nach Deutschland ist bekannt. Es gibt bestimmt zahlreiche andere Beispiele, wenn Migros und Coop die Masken ablegen und ihre wirtschaftlichen Eigeninteressen verfolgen. Ein Muster gefällig ohne Insider-Kenntnissen? Einmal Google reicht oder beispielsweise auf: Coop.ch/Impressum –  Webseiten-Konzeption- und Gestaltung durch ein deutsches Medienhaus mit Niederlassung in der Schweiz.

Dörfer und mittlere Städte sind entleert

Die Vielfalt von Einkaufsmöglichkeiten prägen zweifellos einen lebhaften Innenbereich von Dörfern und Städten. Wer heute jedoch im Mittelland durch Dörfer und mittelgrosse Städte geht, sieht deutlich die Strukturprobleme.

Monokulturen Migros und Coop

Ja, lieber Herbert Bolliger, die Dörfer und Städte sind mit Ausnahme des Verkehrs entleert. Nicht jedoch ausschliesslich wie von Migros und Coop gerne wiedergegeben durch Aldi, Lidl und dem Einkaufstourismus. Vielmehr hat die unerschöpfliche Marktkonzentration von Migros und Coop auch massgeblich zur Entleerung geführt – dies in vielerlei Hinsicht:

  • Nichtvorhandensein der Vielfalt des Detailhandels.
  • Einheitsgeschäfte aus den Migros- und Coop-Konzernen wie M-Electronics, Exlibris, Interdiscount, Christ, Import Parfumerien etc.
  • Ausbau Tankstellen-Shops.
  • Doppelvertretung grossformatiger Coop und Migros-Verkaufsmärkten, selbst in kleineren Gemeinden.

Was bleibt ist der enorme Individualverkehr in Gemeinden und Städten. Unter anderem mitverursacht durch die grossformatigen Märkten von Migros und Coop.

Neu denken, um Innenbereiche von Gemeinden und Städten positiv zu erhalten. Hierzu dann mehr im dritten Teil: Gesellschaftlich pulsierende Dörfer und Städte – Ideen zur Nachhaltigkeit statt nur mögliche Szenarien.

Einkaufsverhalten

In Gesprächen höre ich, zumindest Migros und Coop sorgen im Innenbereich von Dörfern und Gemeinden noch für etwas Leben. Ja, antworte ich, Lärm, Gestank und Unfallgefahren.

Meine Beobachtungen decken sich mit den Analysen der CS, Retail Outlook 2018:

  • Rund die Hälfte der Einkäufe werden mit dem Auto getätigt. Der Anteil auf dem Land ist mit 71% besonders hoch.
  • 79% der «Single Purpose Trip» tätigen ihren Einkauf mit dem Besuch eines Standorts.

Mit «Besuch eines Standorts» ist wohl mehrheitlich Migros und Coop gemeint. Das lokale Gewerbe profitiert davon kaum.

Aussterbende Vielfalt

Die bevorstehende No-Billag-Initiative ist zurzeit das dominierende Thema. Die breite Öffentlichkeit und die Gegner der Initiative argumentieren unter anderem mit dem Wegfall der (Medien-)Vielfalt.

Und die Vielfalt im stationären, lokalen und regionalen Handel und Gewerbe? Verdienen die Bäckereien und Metzgereien, Sport- und Elektronikfachgeschäfte, Gastronomen etc. nicht auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit? Fehlanzeige. Heimatschutz Migros und Coop.

Natürlich sind Migros und Coop nicht ausschliesslich alleine verantwortlich für den Strukturwandel. Lesen Sie mehr im nächsten Teil, «Globalisierung verändert Lebensgewohnheiten, Gewerbeverbände schauen in erster Linie zu sich selbst».

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Debit Mastercard von Viseca – Licht aus?

«Die Zukunft der neuen Zahlkarten ist da – Unser Ziel ist unseren Kunden stets die innovativsten Produkte anzubieten. Die Debit Mastercard ist eine neue Generation von Zahlkarte, mit welcher weltweit, einfach, sicher und auch online bezahlt werden kann. Das passt hervorragend als ergänzendes Angebot für unsere Kunden.» – Teilauszug Medienmitteilung von Aduno vom 12. Mai 2017, «Kantonalbanken lancieren gemeinsam mit Viseca die neue Generation der Debitkarte».

Die Debit Mastercard von Viseca ist erhältlich ab Herbst 2017 für die Kunden der Kantonalbanken Fribourg und Jura und ab Frühjahr 2018 für die Kunden der Aargauischen Kantonalbank.

So der kommunizierte Rollout gemäss Medienmitteilung. Doch schon Konrad Adenauer meinte, «Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern». Tempi passati.

Debit Mastercard von Viseca – zurück auf Feld 1

Ein neues Zeitalter wurde angekündigt. Es bleibt vorerst bei der Absicht. Denn seit der Pressemitteilung von Aduno/Viseca ist es ruhig geworden um die «intelligente Karte mit Kundenmehrwert».

Ein Blick auf die Websites der Kantonalbanken AKB, BCJ und BCF bestätigt die zurückhaltende Ruhe. Die Debit Mastercard ist nirgends aufgeführt. Auch bei Aduno/Viseca ist keine aktuelle Information einsehbar.

Ein Nachfragen bei Aduno und bei einer teilnehmenden Kantonalbank bestätigt den Eindruck der (Funk-)Stille.

Funktionen, Features und teilnehmende Banken werden noch bestimmt

Eine Mediensprecherin von Aduno teilt mir mit: «Viseca Card Services SA wird die Debit Mastercard als Kartenherausgeberin von verschiedenen Banken voraussichtlich ab Frühjahr 2018 lancieren. Die entsprechenden Funktionen und Features sowie die involvierten Banken werden zeitnah bekannt gegeben».

Von der Aargauischen Kantonalbank erfahre ich sogar: «… für die Debitkarte von MasterCard gilt, dass diese frühstens Ende 2018 oder anfangs 2019 kommen würde».

Zurück auf Feld 1 – die Antwort von Aduno lässt diese Interpretation zweifelslos zu. Über mögliche Gründe kann nur spekuliert werden. Von offizieller Seite gibt es keine Äusserungen.

Unklare Strategien, wegbrechende Erträge

Betrachtet man das Thema über den Tellerrand hinaus und kontaktiert Branchen-Insider, konkretisiert sich ein Gesamtbild – leider zu ungunsten der Bankkunden.

Twint

Aduno/Viseca ist unter anderem einer der Hauptprotagonisten von Twint. Die Debit Mastercard hätte wohl ApplePay unterstützt; dies bedeudet ein Wegfall der Blockade gegenüber ApplePay. Dies lässt auch die Vermutung zu, das Aktionariat der Aduno-Gruppe ist sich bezüglich der Haltung und der Strategie Twint und ApplePay nicht mehr so einig wie es erscheinen lässt. Lancieren Kantonalbanken eine Debit MasterCard ohne Aduno?

Einbahn-Strategien im Mobile-Payment und Sackgasse «Twint» verunmöglichen eine kundenorientierte Produkteinführung.

Wegfall Gebühren Maestro-Karte

Ein Insider schreibt mir: «… die Debit Mastercard steht in direkter Konkurrenz zur bestehenden Bank-Maestrokarte». Verzichten willentlich gewisse Kantonalbanken aus Gebührenüberlegungen auf die Einführung der Debit Mastercard?

Diese Überlegung darf durchaus genauer betrachtet werden, denn:

  • die Debit Mastercard lässt die Maestrokarte überzählig werden.
  • 1/3 aller Maestrokarten von insgesamt 6.3 Mio. Karten stammen von den Kantonalbanken (zurückhaltend geschätzt). Das heisst, 2 Mio. Karten KB-Maestrokarten. Davon sind wohl 50% vollumfänglich zum Hauptpreis von 40 Franken bezahlt. Bedeudet ein Gebührenertrag von jährlich 40 Millionen Franken.
  • Ende 2017/Anfang 2018 werden die Jahresgebühren der Maestrokarten erhoben und den Kunden belastet.
  • Zwei Karten (Kreditkarte, Maestrokarte) wird durch eine Debit Mastercard ersetzt. Somit sind auch die zahlreichen Bankpakete mit den gesicherten Gebührenerträgen überzählig.

Kundenerlebnisse sind zweitrangig

MasterCard hat die Basis für die Debitkreditkarte längst bereit gestellt. In Deutschland lancieren immer mehr Banken die Debit MasterCard – ob Direktbanken oder traditionelle Banken wie die Deutsche Bank mit dem Produkt Deutsche Bank Card Plus.

Die Schweizer Banken bemängeln die stets anwachsenden Regulatorien. Wechselt man die Betrachtungsseite, so schützen die Auflagen die Banken. Oder anders gesagt, Regulatorien sind auch eine Art Protektionismus – der Schweizer Bankkunde hat das Nachsehen. Beispiele gibt es zuhauf:

  • fehlendes echtes Digitalbanking und kein affines Digitalkonto.
  • Trotz Selbstbedienung (E-Banking, Geldbezug am Automat etc.) keine Gebührenersparnis.
  • Zwang Twint, Blockade ApplePay.
  • Verzögerungen Debit MasterCard infolge bankinternen Zwängereien. Den Bankkunden kostet das Verhalten der Banken mehrere Millionen Franken.
  • Laufende Anpassungen (Neuerungen, Erhöhungen etc.) im Gebührenkatalog von Viseca.

Möglichkeiten für einen Wechsel gibt es. Der Bankkunde muss agieren, sonst bleiben Reaktionen der Banken aus.